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Erste-Hilfe-Paket ohne Beipackzettel

Nina Schedlmayer, 15.12.11

Man merkt der Ausstellung „Erschaute Bauten. Architektur im Spiegel zeitgenössischer Kunstfotografie“ im MAK nicht wirklich an, dass sie von ihrem neuen Direktor Christoph Thun-Hohenstein recht kurzfristig auf den Spielplan gesetzt wurde. Da Designer Helmut Lang unerwartet seine Personale abgesagt hatte, musste schnell ein Erste-Hilfe-Paket für die große Halle her. Dass Thun-Hohenstein sich dabei für die Architekturfotografie entschied, weist programmatisch in die richtige Richtung.

Unter acht verschiedenen Aspekten präsentiert Kurator Simon Rees Arbeiten des Genres. Zwar mag der Einstieg – Thomas Ruffs Fotografie von Mies van der Rohes Villa Tugendhat – irritieren, wirkt die Arbeit doch etwas gar heroisch. Auch die „gläserne elektronische Filmmusik“ (Saaltext) von Liam Gillick, die vor allem esoterisch wirkt und Sarah Morris’ Moderne-Studie begleitet, mag einen wenig zutreffenden ersten Eindruck abgeben, zeigt sich die Ausstellung doch der Heroisierung ebenso fern wie der Verklärung – und setzt eher auf Analyse und Kritik.

Dies zeigt sich schon ersten Raum, in dem Arbeiten von Andreas Fogarasi und Allan Sekula subtil die Instrumentalisierung von Architektur beleuchten; oder aber die Serie von John Massey, in der ein gläsernes Luxusdomizil die darin befindliche Kunst sowie die Außenwelt beängstigend steril erscheinen lässt. Auch die 50-teilige Arbeit von José Davila („Buildings you have to see before you die“) setzt auf einen kritischen Zugang: Ikonen der Architektur wurden aus Fotografien durch weiße Flächen ersetzt – die verbliebenen Leerstellen werfen die Frage auf, welche Bedeutung der Signalwirkung architektonischer Entwürfe zugeschrieben wird. Zudem schafft die Schau elegante Übergänge zwischen den einzelnen Kapiteln, etwa dort, wo verschiedene Aufnahmen des Schindler House in L. A. (Candida Höfer, Hiroshi Sugimoto) auf unterschiedliche Aspekte verweisen.

Bisweilen hätte man sich freilich andere Arbeiten gewünscht – statt der kurzen Videosequenz von Cyprien Gaillard etwa, die nur im Hintergrund modernistische Gebäude zeigt, hätte etwa sein „Desniansky Raion“ (und wohl auch zahlreiche andere Arbeiten) besser zum Thema Utopien gepasst; zudem fragt man sich, wieso gerade auf die wichtigste heimische Position gegenwärtiger Architekturfotografie, nämlich Margherita Spiluttini, vergessen wurde. Ein echtes Manko besteht in der kaum vorhandenen Basisinformation: Besucher, die keine Architekturexperten sind, müssen sich viele der abgebildeten Gebäude erst mühsam aus den Aufsätzen des Handapparates heraussuchen, falls diese darüber überhaupt Auskunft geben. Der Beipackzettel fehlt im Erste-Hilfe-Paket – das insgesamt dennoch ansprechend ausfiel.


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Erschaute Bauten - Architektur im Spiegel zeitgenössischer Kunstfotografie

07.12.2011 bis 22.04.2012

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